image001Als „verpasste Chance“ bezeichnet der Präsident der rheinland-pfälzischen Landespflegekammer die heute mehrheitlich vom Deutschen Bundestag verabschiedete Kompromisslösung zur künftigen pflegerischen Ausbildung. Aber immerhin bedeute das neue „Pflegeberufegesetz“ den ersten Schritt auf dem Weg zu einer generalistischen Pflegeausbildung.

Das Gesetz sieht vor, die Ausbildung  in allen Pflegeschulen mit einer zunächst  zweijährigen generalistischen Pflegeausbildung zu beginnen. Nach zwei Jahren entscheiden die Auszubildenden dann, ob sie die generalistische Ausbildung fortsetzen oder im Bereich der Kinderkranken- oder Altenpflege den bisherigen Abschluss  wählen. Einen Einzelabschluss in der Krankenpflege soll es künftig nicht mehr geben.

„Die generalistische Pflegeausbildung, die die bisherige Ausbildung in der Krankenpflege ablöst, bereitet die künftigen Pflegenden auf einen Einsatz in allen Arbeitsfeldern der Pflege vor und erleichtert einen Wechsel zwischen den Pflegebereichen. Diese Chance zur Attraktivitätssteigerung hätten wir uns für alle Auszubildenden in der Pflege gewünscht. Damit wäre, unabhängig davon, an welchem Ort der Patient behandelt wird, das nötige pflegerische und medizinisch orientierte Wissen umfassend vorhanden“, bemängelt Mai.

Größter Wermutstropfen der Reform bleibt die Schlechterstellung der Altenpflege wie der Kinderkrankenpflege. „Die künftigen Kolleginnen und Kollegen aus diesen Bereichen muss man leider als Verlierer des Kompromisses betrachten. Gerade für diese Bereiche sind die Koalitionsfraktionen zu weit hinter dem Möglichen geblieben“, zeigt sich Mai enttäuscht.

„Bei den aktuellen Rahmenbedingungen sind die Beschäftigten in der Altenpflege im Hinblick auf den Berufsstatus, die Beschäftigungssituation und die Vergütung extrem gegenüber den beiden anderen Pflegeberufen benachteiligt. Die Generalistik bleibt damit  ein Gebot der Gerechtigkeit und der Vernunft, gerade um auch den Bereich der Altenpflege attraktiver zu gestalten“, argumentiert der Kammerpräsident.

Insbesondere die Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU- Fraktion, die teilweise unter maßgeblichem Einfluss  der (privaten) Arbeitgeberverbände das Gesetzesverfahren blockiert und erschwert hatten, tragen hierfür die Verantwortung.

Der nun gefundene Weg sei sicher nicht der große Wurf, aber ein erster  wichtiger Schritt hin zu einer generalistischen Ausbildung, die auch für die weitergehende Professionalisierung der Branche essentiell sei. „Als Einstieg in die Generalistik können wir den gefundenen Weg mittragen. Klar muss aber sein, dass dies nur der Anfang sein kann. Bei den zahlreichen noch offenen Fragen und allen weiteren Schritten erwarten wir einen aktiven Einbezug der Pflegenden“, so Mai.

Die hochschulische Ausbildung als weiteren Zugang zum Berufsfeld und die avisierten Vorbehaltsaufgaben, die ebenfalls Teile des Gesetzes darstellen, stoßen auf große Zustimmung. „Damit steigern wir die Attraktivität des gesamten Berufsbildes“, ist sich Mai sicher.

Die gesamte Debatte und der unrühmliche Gesetzgebungsprozess haben aber  sehr deutlich gemacht, wie dringend notwendig eine institutionalisierte Interessenvertretung in der Pflege ist. „Das unwürdige Geschacher der regierungstragenden Bundestagsfraktionen um eine vernünftige Ausbildung im so sensiblen Bereich der Pflege hätte es bei keiner anderen Berufsgruppe in der Form gegeben. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie sinnvoll eine Bundespflegekammer ist, so wurde er hiermit erbracht“, betont Mai abschließend.

Berlin, 22.06.2017

Der Bundestag hat heute in dritter Lesung das Pflegeberufegesetz verabschiedet. Die Zustimmung des Bundesrates wird am 7.7.2017 erwartet. 

image002Die jetzt verabschiedete Reform bleibt deutlich hinter dem ursprünglichen Gesetzentwurf zurück. In letzter Minute wurde ein Kompromiss gefunden, der den Eigeninteressen einer kleinen, aber militanten Minderheit Rechnung trägt. Traurig, dass es trotz der überwältigenden Mehrheit der Regierungsfraktionen im Bundestag soweit kommen musste. „Wir werden sorgfältig prüfen - dies gilt insbesondere für die Bildungsstandards der beruflichen Ausbildung - wo das jetzt verabschiedete Gesetz nicht praxistauglich ist, und in der nächsten Legislaturperiode entsprechende Nachbesserungen einfordern“, sagt Prof. Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). „Es muss gewährleistet werden, dass die im Ausbildungsziel formulierten Kompetenzprofile auch in der Ausbildung erreicht werden. Vertagt wurde die Ausbildungs- und Prüfungsordnung, diese soll zudem vom nächsten Bundestag verabschiedet werden. Das ist absurd!“

Die Reform produziert etliche Verlierer: zuallererst die Altenpflege, für die eine historische und lange überfällige Chance der Aufwertung vergeben wird; die Pflegeschulen, die sich schwertun werden, eine Ausbildung zu planen, die viele unterschiedliche Interessen bedienen soll und bis Ende des zweiten Ausbildungsjahres kaum kalkulierbar bleibt, sowie Alten- und KinderkrankenpflegerInnen, denen weiterhin die automatische europaweite Anerkennung ihrer Berufsausbildung verwehrt ist.

Wie kann unter solchen Umständen der Pflegeberuf attraktiv sein – insbesondere für junge Menschen in der Phase der Berufsorientierung? Eine echte Reform wird verschoben und so verstreicht erneut wertvolle Zeit, die kaum aufzuholen ist. 

Positiv zu vermerken sind, dass durch das Gesetz mit dem Ausbildungsziel eine Selbständigkeit für professionelles pflegerisches Handeln verstärkt sowie die hochschulische Ausbildung geregelt wird.  Vorbehaltene Tätigkeiten werden klar definiert. Auch die Generalistik kommt, wenn auch mit einer Option, statt der bei Ausbildungsbeginn gewählten Vertiefung im 3. Jahr einen eigenen Abschluss Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu wählen. Hier erwarten wir eine Abstimmung mit den Füßen pro Generalistik. Deutliche Verbesserungen wird es für die Praxisanleitung geben als Reaktion auf die in den vergangenen Jahren zunehmend desolate Ausbildungssituation in den Praxiseinsätzen. Das Schulgeld für eine Pflegeausbildung wird ein für alle Mal abgeschafft – längst überfällig in einem Engpassberuf mit niedrigem Lohnniveau.

Bei aller Enttäuschung über einige Regelungen muss auch konstatiert werden, dass ein Scheitern der Gesetzesinitiative in dieser Legislaturperiode für voraussichtlich die nächsten acht Jahre Stillstand bedeutet hätte. Die Länder sind nun aufgefordert, die Schulen, Hochschulen und Praxisorte bei der Umsetzung des Gesetzes zu unterstützen. Der DBfK wird seine Expertise dazu beitragen, eine zukunftstaugliche Ausbildung zu etablieren.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK) 

Alt-Moabit 91, 10559 Berlin 

Tel.: 030-2191570 

Fax: 030-21915777

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